Von Ghina
Ghina nahm 2023 an der Girls Gearing Up Summer Leadership Academy teil, war später Vorsitzende des GGU Youth Advisory Board und kam 2026 als Praktikantin zur ABURY Foundation. Heute studiert sie Fotografie. Die Fotos in diesem Artikel hat sie selbst aufgenommen.
Am 10. Juli 2026 stand ich mit einer Kamera um den Hals am Eingang der BBIS und sah zu, wie die Teilnehmerinnen zur ABURY Girls Gearing Up Academy ankamen. Drei Jahre zuvor war ich selbst eine von ihnen gewesen: sechzehn, nervös und zum allerersten Mal allein unterwegs.
Was dazwischen geschah, erzähle ich hier.
Berlin, allein, mit 16
Im Sommer 2023 erhielt ich ein Stipendium für die ABURY Girls Gearing Up Summer Leadership Academy in Berlin. Es war meine allererste internationale Chance.
Damals war ich eine Perfektionistin, die sich ständig Sorgen machte und an sich zweifelte, selbst wenn es gut lief. Ohne meine Familie zu reisen, schien mir wie ein ferner Traum. Dann kam der Tag, an dem ich meine Sachen packen, mich verabschieden und zum Flughafen fahren musste.
Auf dem Weg nach Berlin war mein Kopf voller Fragen. Ich komme aus einer Region der Welt, die oft missverstanden und auf Stereotype reduziert wird, und ich hatte Angst, nicht verstanden oder akzeptiert zu werden. Würde ich mich genauso willkommen fühlen wie die Mädchen aus anderen Ländern?
Es kam ganz anders. Vom ersten Moment an, als ich am Flughafen abgeholt wurde, fühlte ich mich willkommen. Umgeben von Mädchen mit so unterschiedlichen Hintergründen erlebte ich, dass wir trotz aller Unterschiede zusammenkommen, voneinander lernen und gemeinsam auf unsere Träume hinarbeiten können.
Die Woche, die mich geprägt hat
Mit 16 war ich plötzlich Teil eines Programms, in dem es nicht nur um Karriere ging, sondern auch um Mädchensein, Frausein und die Herausforderungen, vor denen junge Frauen stehen.
Einen Moment werde ich nie vergessen: Während der Woche trat eine Musikerin für uns auf, und schon bald saß ich mit einer Gitarre in der Hand neben ihr und spielte mit. Einige Mädchen tanzten um uns herum, andere saßen da, schauten zu und klatschten. Es war eines der allerersten Male, dass ich mich traute, außerhalb meines Musikunterrichts vor anderen zu spielen, und ich durfte sogar den GGU-Song des Jahres mitschreiben. Ich erinnere mich, wie befreiend sich das anfühlte, wie eine warme Umarmung und Mädchensein in seiner schönsten Form. Hinterher habe ich vor Glück geweint.
Wir lachten, sangen, tanzten und sprachen bis spät in den Abend über ernste Themen. Am Ende der Woche war der Abschied eines der schwersten Dinge, die ich je erlebt hatte.
Doch das Wichtigste, was ich mit nach Hause nahm, war ein neuer Blick auf mich selbst. Die Menschen bei GGU glaubten an mich, wie ich es selbst kaum konnte. Ich beschloss, auch außerhalb der Schule nach Möglichkeiten zu suchen, um die Fähigkeiten weiterzuentwickeln, die ich in der Academy kennengelernt hatte: kritisches Denken, Finanzkompetenz, Nachhaltigkeit und Teamarbeit.

Etwas zurückgeben
Später im selben Jahr startete die Bewerbungsphase für das Youth Advisory Board 2024. Ich wollte der Gemeinschaft, die meine Denkweise verändert hatte, etwas zurückgeben. 2024 wurde ich Social Media Managerin im Board, 2025 dann Vorsitzende.
Was als eine Woche in Berlin begonnen hatte, war Teil meines Alltags geworden.
Ein Gap Year und eine Kamera
Im Sommer 2025 machte ich meinen Schulabschluss und fühlte mich ziemlich verloren. Ich wusste, dass ich ein Gap Year machen wollte, aber ich wollte es nicht zu Hause verbringen, ohne mich weiterzuentwickeln oder etwas beizutragen.
Also suchte ich nach Freiwilligenstellen im Ausland, und die vertraute Angst kam zurück. Dann sagte ich mir: Wenn ich mit 16 für GGU allein nach Deutschland geflogen bin, schaffe ich das mit 18 erst recht.
Zwei Tage nach meinem Abschluss flog ich nach Liddes, einem kleinen Ort im Wallis in der Schweiz, und verbrachte rund zwei Monate als Freiwillige in einem internationalen Sprachcamp für Kinder. Woche für Woche sah ich, wie schüchterne Kinder immer freier zu sprechen begannen. Das erinnerte mich daran, wie sehr ein Umfeld einen Menschen verändern kann.
In meiner Freizeit fotografierte ich. Die Fotografie war zu dem Weg geworden, mich am freiesten auszudrücken, und Menschen in meinem Umfeld fragten mich, ob ich schon einmal daran gedacht hätte, das beruflich zu machen.
Diese Frage ließ mich nicht mehr los. Mein erster Impuls war, dem GGU-Team zu schreiben und zu fragen, ob ich 2026 als Fotografin und Teil des Social-Media-Teams bei der Academy dabei sein könnte. Die Antwort war fast sofort ein Ja.

Wie ich zu ABURY kam
Zurück zu Hause wusste ich noch immer nicht, wie mein nächster Schritt aussehen würde, nur dass meine Arbeit etwas bedeuten sollte. Ich bewunderte die ABURY Foundation schon eine Weile, und je mehr ich über ihre Projekte las, desto verbundener fühlte ich mich mit ihnen. Also schrieb ich eine E-Mail und fragte, ob ich mich ehrenamtlich engagieren oder mitarbeiten könnte. Erwartungen hatte ich keine.
Etwa zwei Wochen später kam eine Antwort. Die Stiftung suchte eine neue Praktikantin, und man dachte, das könnte ich sein. Im Februar 2026 fing ich an.
Im ersten Monat war ich nervös, aber meine Ideen wurden ernst genommen, und ich fühlte mich von Anfang an als Teil des Teams. Für jemanden, der gerade erst ins Berufsleben startet, machte das einen enormen Unterschied. Und jedes Mal, wenn uns ein Mädchen schrieb und fragte, wie sie sich für ein Programm bewerben kann, wusste ich: Unsere Arbeit erreicht genau die Menschen, für die sie gedacht ist.
Dieselbe Academy, die andere Seite der Kamera
Der spannendste Teil meines Praktikums war die Vorbereitung der ABURY Girls Gearing Up Academy 2026. Es fühlte sich surreal an, das Programm mitzugestalten, das mich drei Jahre zuvor geprägt hatte. Ich entwickelte Content-Ideen, war im Austausch mit den Teilnehmerinnen, half ihnen bei der Reisevorbereitung und arbeitete am Programmablauf mit.
Dann kam der 10. Juli, und ich erlebte die Academy noch einmal, diesmal als Teil des Teams.
Schon nach wenigen Stunden unterstützten und feuerten sich die Teilnehmerinnen gegenseitig an. Sie kamen aus verschiedenen Ländern und mit unterschiedlichen Hintergründen, und eine Woche lang teilten sie ihre Kulturen, ihre Musik, ihre Geschichten und jede Menge Lachen.
Der Moment, an den ich mich am meisten erinnere, ist das Gruppenfoto beim Mega Mentoring Afternoon: 52 Mädchen, mehr als 50 Mentorinnen und Unterstützerinnen und rund 25 Teammitglieder, alle in einem Bild. Nach so viel harter Arbeit und endloser Planung festzuhalten, wie sehr die ABURY GGU Community gewachsen ist, fühlte sich fast unglaublich an. Es hat mich auch sehr berührt, denn drei Jahre zuvor hatte ich genau an derselben Stelle gestanden und meine eigenen Momente mit Mentorinnen erlebt.
Es war lustig und auch ein bisschen aufregend, mit einigen der Menschen zusammenzuarbeiten, die 2023 für mich verantwortlich gewesen waren. Am meisten bedeutete mir ihr Vertrauen. Auch wenn ich mir unsicher war, gab es immer jemanden, an den ich mich wenden konnte, und ich musste nie etwas allein herausfinden.
Am Ende der Woche erzählten mir die Teilnehmerinnen, wie sehr sie die Fotos liebten und wie froh sie über diese Erinnerungen waren. Das hat mich daran erinnert, warum ich die Fotografie liebe: Ein gutes Bild bleibt, lange nachdem der Moment vorbei ist.
Wie es weitergeht
Im August habe ich meine Zeit bei ABURY beendet, um ein Bachelorstudium in Fotografie zu beginnen. Ich glaube nicht, dass ich den Mut gehabt hätte, dafür ins Ausland zu ziehen, ohne die Ermutigung des ABURY-Teams und ohne das, was GGU drei Jahre zuvor in mir angestoßen hat: den Glauben daran, dass ich mich für das einsetzen sollte, was ich mir wünsche, auch wenn es unerreichbar scheint.
Wenn ich an das Mädchen denke, das mit 16 nervös in ein Flugzeug nach Berlin stieg, sehe ich, wie viel sich verändert hat. Sie zweifelte an sich. Sie war sich nicht sicher, ob sie dazugehörte.
Seitdem ist sie allein gereist, hat sich im Ausland engagiert, mit Organisationen gearbeitet, an die sie glaubt, ihre Leidenschaft gefunden und ist zu der Academy zurückgekehrt, an der alles begann. Diesmal mit einer Kamera in der Hand.





