Als Jeanette 2025 Mentorin bei der ersten ABURY Girls Gearing Up Academy wurde, brachte sie viele Jahre Berufs- und Führungserfahrung mit. Doch ihre Entscheidung, Mentorin zu werden, hatte vor allem persönliche Gründe.

Als Mutter von zwei Töchtern beschäftigte sie schon länger die Frage, wie sie ihre Erfahrungen nutzen könnte, um etwas im Leben junger Frauen zu bewegen.

„Ich habe mich dafür entschieden, Mädchen als Mentorin zu begleiten, weil ich selbst Mutter von zwei Töchtern bin. Und ehrlich gesagt hat mir diese Rolle als Mentorin gefehlt. Das hat mich darüber nachdenken lassen, wo ich mit all den Erfahrungen, die ich über die Jahre gesammelt habe, heute etwas bewirken kann. Als dann ABURY und später Girls Gearing Up auf mich zukamen, fand ich die Möglichkeit unglaublich spannend.“

Für Jeanette bedeutet Mentoring nicht, auf alles eine Antwort zu haben. Und schon gar nicht, einer jungen Frau zu sagen, wer sie einmal werden soll.

Es geht vielmehr darum, ihr dabei zu helfen, zu entdecken, was längst in ihr steckt.

Raum schaffen, um sich selbst zu entdecken

Fragt man Jeanette, was sie am Mentoring besonders liebt, spricht sie nicht zuerst davon, Ratschläge zu geben oder ihre eigene Erfahrung weiterzugeben. Sie spricht davon, junge Frauen dabei zu beobachten, wie sie beginnen, sich selbst besser kennenzulernen.

„Was ich am Mentoring besonders liebe, ist zu sehen, wie diese Mädchen langsam anfangen, nach innen zu schauen und herauszufinden, wer sie sind, was sie mögen, wo ihre Talente und Stärken liegen und was sie mit all dem erreichen können.“

Eigentlich eine einfache Idee – und gleichzeitig eine unglaublich wichtige.

Junge Frauen wachsen mit vielen Erwartungen auf: daran, wer sie sein sollten, was sie erreichen sollten und welchen Weg sie einschlagen sollten. Umso wertvoller kann es sein, jemanden an der Seite zu haben, der zuhört, die richtigen Fragen stellt und sie ermutigt, ihren Blick nach innen zu richten. So entsteht Raum für die eigenen Vorstellungen davon, wer sie sind und wohin ihr Weg sie führen soll.

Genau darum geht es auch beim Mentoring der ABURY Girls Gearing Up Academy.

Die Academy bringt junge Frauen aus verschiedenen Ländern, Kulturen und Lebensrealitäten zusammen. Ihre Ausgangssituationen können ganz unterschiedlich sein. Doch der Grundgedanke des Mentorings bleibt derselbe: ihnen nicht den Weg vorzugeben, sondern sie dabei zu begleiten, ihren eigenen zu finden.

Sich selbst vertrauen – auch wenn nicht alles nach Plan läuft

Den eigenen Weg zu finden bedeutet auch zu lernen, mit den Momenten umzugehen, in denen eben nicht alles so läuft wie erhofft.

Für Jeanette spielt dabei eine Eigenschaft eine besonders wichtige Rolle: Resilienz.

„Resilienz ist das, was jede Frau in unserer heutigen Gesellschaft prägt … Frauen sind sehr resilient. Sie wissen, wie sie lernen, sich weiterentwickeln, mit Ablehnung umgehen und Niederlagen verarbeiten können. Meiner Erfahrung nach sind sie darin viel besser als junge Männer im gleichen Alter oder mit vergleichbarer Erfahrung.“

Rückschläge, Ablehnung und Unsicherheit gehören zum Erwachsenwerden – und vermutlich zu fast jedem Weg, den wir danach einschlagen. Mentoring kann diese Erfahrungen nicht verhindern. Aber es kann jungen Frauen jemanden an die Seite stellen, mit dem sie darüber sprechen können. Jemanden, der hilft, Dinge einzuordnen und daran erinnert, dass ein Rückschlag nichts darüber aussagt, wozu man grundsätzlich fähig ist.

Denn Selbstvertrauen bedeutet nicht, zu wissen, dass immer alles nach Plan laufen wird. Es bedeutet, sich selbst genug zu vertrauen, um weiterzumachen, wenn es das nicht tut.

„Veränderung muss von innen kommen“

Ein Gedanke steht im Zentrum von Jeanettes Verständnis von Mentoring:

„Veränderung muss von innen kommen, sie kann nicht von außen kommen.“

Empowerment beginnt für sie damit, die eigenen Fähigkeiten zu erkennen und zu verstehen, dass wir selbst eine aktive Rolle dabei spielen können, unsere Zukunft zu gestalten.

Das bedeutet jedoch nicht, dass jede junge Frau unter denselben Voraussetzungen startet – oder dass Empowerment überall gleich aussieht.

Die Teilnehmerinnen der ABURY Girls Gearing Up Academy kommen aus ganz unterschiedlichen kulturellen und gesellschaftlichen Kontexten. Für Jeanette muss gutes Mentoring diese Realitäten berücksichtigen, anstatt eine einzige Vorstellung davon vorzugeben, wie Fortschritt oder Erfolg auszusehen haben.

„Manchmal ist es nicht unsere Aufgabe, eine Kultur zu verändern, sondern dafür zu sorgen, dass Mädchen innerhalb der Kultur, in der sie leben und aufwachsen, Zugang zu Möglichkeiten bekommen. Und das wird in jedem Land, jeder Region und auf jedem Kontinent anders aussehen.“

Vielleicht gehört genau das zu den wichtigsten Fähigkeiten einer Mentorin oder eines Mentors: erst zuzuhören und dann Rat zu geben.

Den Menschen vor sich wirklich zu sehen. Zu verstehen, in welchem Umfeld er sich bewegt – und was er selbst sich für seine Zukunft wünscht.

Denn beim Mentoring geht es nicht darum, eine einzige Definition davon vorzugeben, was eine starke oder erfolgreiche Frau ausmacht. Es geht darum, jede junge Frau dabei zu unterstützen, ihre ganz eigene Antwort darauf zu finden.

Was Jeanette ihrem jüngeren Ich sagen würde

Jeanette bringt noch eine weitere Perspektive in ihre Rolle als Mentorin ein: die Möglichkeit, zurückzublicken.

Viele Jahre Berufs- und Führungserfahrung und nicht zuletzt das Muttersein lassen sie heute anders auf manche Unsicherheiten und den Druck blicken, die das Jungsein mit sich bringen kann.

Was also würde sie sagen, wenn die junge Frau, die ihr gegenübersitzt, ihr eigenes jüngeres Ich wäre?

„Wenn ich meinem jüngeren Ich als Mentorin einen Rat geben könnte, wäre es dieser: Nimm es ein bisschen leichter und lass dich mehr auf das Leben ein. Du musst nicht so streng mit dir selbst sein. Vertrau einfach auf dich und darauf, dass am Ende alles gut wird.“

Vielleicht liegt genau darin auch eine besondere Kraft des Mentorings.

Wir können nicht zurückgehen und unserem jüngeren Ich die Zuversicht, Perspektive oder Ermutigung geben, die wir damals vielleicht gebraucht hätten. Aber wir können etwas davon an die nächste Generation weitergeben.

Und manchmal kann es einen entscheidenden Unterschied machen, wenn jemand das eigene Potenzial erkennt – gerade in einem Moment, in dem man selbst es vielleicht noch gar nicht sehen kann.

Mentoring, das über die Academy hinausgeht

Bei der ABURY Girls Gearing Up Academy endet das Mentoring nicht mit der Academy-Woche.

Jede Teilnehmerin wird mit einer Mentorin oder einem Mentor zusammengebracht, die oder der sie zwölf Monate lang begleitet. In regelmäßigen Gesprächen können sie gemeinsam Ideen und Herausforderungen besprechen, Möglichkeiten ausloten und die nächsten Schritte angehen.

So können Gespräche, die während der Academy begonnen haben, weitergehen – lange nachdem alle wieder nach Hause zurückgekehrt sind.

Mentor*innen wie Jeanette bringen ihre eigenen Erfahrungen, Perspektiven und all das mit, was sie auf ihrem bisherigen Weg gelernt haben. Ihre vielleicht wichtigste Aufgabe ist aber nicht, einer jungen Frau zu zeigen, welchen Weg sie einschlagen sollte.

Sondern ihr dabei zu helfen, sich selbst genug zu vertrauen, um ihren eigenen zu wählen.

Mit deiner Unterstützung für die ABURY Girls Gearing Up Academy hilfst du uns dabei, diese Erfahrungen und langfristigen Mentoring-Beziehungen für noch mehr junge Frauen aus aller Welt möglich zu machen.

Ob durch eine Spende, eine Partnerschaft oder indem du unsere Arbeit weiterträgst: Du hilfst uns dabei, Räume zu schaffen, in denen junge Frauen ihre Stärken entdecken, ihrer eigenen Stimme vertrauen und herausfinden können, was für sie möglich ist.

Denn manchmal braucht es jemanden, der die eigene Stärke schon sieht, bevor man selbst sie erkennen kann.