Von Hajiba Boumasmar, Direktorin der ABURY Hospitality Academy in Marrakesch (Übersetzt aus dem Englischen Original)

Es gibt Momente im Leben, die uns daran erinnern, warum wir tun, was wir tun.

Für mich war die Abschlussfeier des ersten Jahrgangs der ABURY Hospitality Academy genau so ein Moment. Ich stand dort und sah zu, wie 14 junge Frauen ihre Zertifikate entgegennahmen.

Wenn ich sie an diesem Tag ansah, konnte ich kaum glauben, dass es dieselben jungen Frauen waren, die neun Monate zuvor zum ersten Mal durch unsere Türen gekommen waren.

Neun Monate voller Veränderung

Ich erinnere mich noch gut an den ersten Tag an der Academy. Einige kamen voller Vorfreude, andere waren nervös, und viele hatten Fragen, die sie sich noch nicht zu stellen trauten.

Würde ich es schaffen? Würde ich hier meinen Platz finden? Kann dieses Programm wirklich etwas verändern?

Sie wussten nicht genau, was sie erwartete – und ehrlich gesagt wussten wir das auch nicht. Wir waren von unserem Programm überzeugt, aber echte Veränderung lässt sich nicht planen oder garantieren. Sie entsteht nach und nach: mit jedem Gespräch, jeder Herausforderung und jeder neuen Chance.

Mitzuerleben, wie die jungen Frauen im Laufe der Monate immer selbstbewusster wurden, war für mich eine der schönsten Erfahrungen meiner bisherigen Arbeit.

Auch ich war einmal auf der Suche nach meinem Weg

Ich werde oft gefragt, warum mir diese Arbeit so sehr am Herzen liegt. Die Antwort ist eigentlich ganz einfach: Weil ich selbst einmal dieser junge Mensch war, der jemanden brauchte, der an ihn glaubt.

Bevor ich Leiterin der ABURY Hospitality Academy wurde, war ich selbst Studentin und auf der Suche nach Orientierung und Möglichkeiten, meinen eigenen Weg zu finden. Ich hatte das große Glück, Menschen zu begegnen, die an mich glaubten, mich begleiteten und mir den Mut gaben, größer zu träumen, als ich es mir selbst zugetraut hätte.

Ihre Unterstützung hat meinem Leben eine neue Richtung gegeben.

Nach Jahren des Studiums und harter Arbeit – und einigen wirklich herausfordernden Zeiten – unterschrieb ich meinen ersten Arbeitsvertrag bei einer marokkanisch-amerikanischen NGO. Schon damals war ich davon überzeugt, dass es in meiner Community mehr Chancen und Perspektiven für Frauen und junge Menschen geben muss.

In den folgenden Jahren arbeitete ich in den Bereichen nachhaltige Entwicklung, Frauenförderung und Jugendarbeit. Dabei habe ich etwas gelernt, das mich bis heute begleitet: Wenn man in eine Frau investiert, verändert man damit oft die Zukunft einer ganzen Familie.

Irgendwann wurde mir klar, dass die Arbeit für und mit meiner Community für mich nicht einfach nur ein Beruf ist. Sie ist meine Berufung.

Der Dienstag, der alles veränderte

Dann kam ein Dienstag, der meinem Leben eine völlig neue Richtung geben sollte.

Am 25. Februar hatte ich mein Vorstellungsgespräch mit Andrea und Petra. Ich erinnere mich noch sehr gut an dieses Gespräch. Es fühlte sich überhaupt nicht wie ein klassisches Bewerbungsgespräch an. Vielmehr hatte ich das Gefühl, zwei Menschen gegenüberzusitzen, mit denen ich dieselben Werte und dieselbe Vision teilte – und vor allem die Überzeugung, dass Bildung Türen öffnen kann, die vorher unerreichbar schienen.

Am Ende dieses Gesprächs wusste ich: Hier beginnt etwas Besonderes.

Mit der ABURY Hospitality Academy lernte ich eine für mich völlig neue Welt kennen: die Hotellerie und Gastronomie. Bis dahin war mir nicht bewusst gewesen, wie viele Chancen diese Branche gerade jungen Frauen eröffnen kann.

Gemeinsam mit meinen Kolleginnen wollten wir deshalb mehr schaffen als ein reines Ausbildungsprogramm. Wir wollten einen geschützten Raum schaffen, in dem jede Teilnehmerin wachsen, Fehler machen, daraus lernen und ihre eigenen Stärken entdecken kann.

So wurde die Academy zu weit mehr als Unterricht, Training und Praktika. Sie wurde zu einem Ort, an dem die jungen Frauen Tag für Tag mehr Vertrauen in sich selbst entwickeln konnten.

Eine Umarmung, die ich nie vergessen werde

Eine Begegnung ist mir dabei ganz besonders in Erinnerung geblieben.

Am allerersten Tag kam eine unserer Teilnehmerinnen, Khadija, gemeinsam mit ihrer Mutter zu uns. Ihre Mutter war besorgt. Sie hatte viele Fragen zur Academy und fühlte sich nicht wohl bei dem Gedanken, ihre Tochter einfach allein zu uns zu schicken. Sie wollte sich selbst davon überzeugen, dass Khadija bei uns gut aufgehoben und sicher sein würde.

Neun Monate später traf ich dieselbe Mutter bei unserer Abschlussfeier wieder. Sie kam auf mich zu und nahm mich lange in den Arm.

Sie bedankte sich bei mir dafür, dass ich für ihre Tochter da gewesen war – nicht nur als Leiterin der Academy, sondern als Mentorin, die sie auf ihrem Weg begleitet hatte.

Dieser Moment hat mich tief berührt.

Heute hat Khadija bereits ihren ersten Schritt ins Berufsleben gemacht und arbeitet als Commis Chef in einem Restaurant in der M Avenue in Marrakesch. Nur wenige Tage nach ihrem Start lud sie mich dort zum Mittagessen ein.

Sie in ihrer Uniform zu sehen, selbstbewusst im Gespräch mit ihren Kolleg*innen und stolz auf das, was sie erreicht hat – das war einer dieser Momente, in denen man weiß, dass sich all die Herausforderungen auf dem Weg gelohnt haben.

Und Khadija ist nur eine von vielen Erfolgsgeschichten.

Mehrere unserer Absolventinnen arbeiten inzwischen in der gehobenen Hotellerie. Andere setzen ihre Ausbildung fort oder führen Bewerbungsgespräche mit Hotels in Marrakesch. Jede von ihnen bringt ihre eigene Geschichte mit, ihre eigenen Herausforderungen und ihre eigenen Träume.

Zu erleben, wie aus diesen Träumen nach und nach echte Perspektiven werden, ist für mich das schönste Ergebnis unserer Arbeit.

Was Erfolg wirklich bedeutet

Erfolg wird oft in Zertifikaten, Abschlüssen oder Jobangeboten gemessen. Natürlich sind all diese Dinge wichtig. Aber für mich zeigt sich Erfolg genauso in den kleinen Momenten.

Wenn eine junge Frau plötzlich an sich selbst glaubt.

Wenn eine Familie erkennt, welche Möglichkeiten sich ihrer Tochter eröffnen.

Oder wenn eine junge Frau ein Luxushotel betritt und dort nicht mehr unsicher ist, sondern weiß: Ich gehöre hierher.

Das sind die Momente, die bleiben.

Von unserem ersten Jahrgang habe auch ich unglaublich viel gelernt. Die jungen Frauen haben mich daran erinnert, dass Veränderung selten von heute auf morgen geschieht. Sie wächst mit der Zeit – durch Vertrauen, Beständigkeit, Ermutigung und durch Menschen, die aneinander glauben und füreinander da sind.

Von der Studentin zur Mentorin

Während wir uns auf unseren nächsten Jahrgang vorbereiten, spüre ich wieder dieselbe Vorfreude wie zu Beginn unserer Reise. Neue junge Frauen werden zu uns kommen, mit neuen Geschichten, neuen Herausforderungen und neuen Träumen.

Wenn ich heute zurückblicke, merke ich, dass sich auch für mich ein Kreis geschlossen hat: Einst war ich selbst eine Studentin auf der Suche nach Orientierung und Menschen, die an mich glaubten. Heute habe ich das große Glück, andere junge Frauen auf ihrem eigenen Weg begleiten zu dürfen.

Und wenn ich in all den Jahren eines gelernt habe, dann das: Wenn wir eine junge Frau stärken, verändern wir nicht nur ihre Zukunft.

Wir schaffen Chancen, Hoffnung und Inspiration, die weit über sie selbst hinausreichen – in ihre Familien, ihre Communities, ihre Arbeitswelt und schließlich auch in die nächste Generation.

Genau deshalb lohnt sich jede Herausforderung.

Und an die nächste Gruppe junger Frauen, die bald durch unsere Türen kommt: Bringt eure Fragen mit. Eure Zweifel. Und vor allem eure Träume.

Wir holen euch dort ab, wo ihr steht – und gehen den nächsten Teil des Weges gemeinsam.